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Matrix 5.2:

  • corinnenadolski
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Matrix 5.2: Die Gemeinwohl-Bilanz wird  modular, vernetzt und zukunftsfest 

Die Gemeinwohl-Bilanz macht einen großen Entwicklungssprung: Die Matrix 5.2 – derzeit in  der Beta-Phase und intern auf Englisch verfügbar, auf Deutsch voraussichtlich ab September  2025 – bricht mit der bisherigen Unterscheidung zwischen Voll- und Kompaktbilanz, erweitert  die Anzahl der Aspekte und schafft eine direkte Brücke zum europäischen VSME-Standard.  Was das konkret bedeutet, erkläre ich hier. 

Was ist die Gemeinwohl-Bilanz? 

Gewinn ist gut – aber Gewinn allein reicht nicht. Dieser Gedanke steht im Mittelpunkt der  Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ), einer weltweiten Bewegung, die 2010 in Wien auf Initiative  des Wirtschaftsdenkers Christian Felber entstand. International tritt sie inzwischen unter  dem Kürzel „ECOnGOOD – ECONOMY FOR THE COMMON GOOD“ auf. 

Die Gemeinwohl-Bilanz ist das zentrale Instrument dieser Bewegung. Sie ergänzt die  klassische Finanzbilanz um die ethische Dimension: Wie verhält sich ein Unternehmen  gegenüber Mitarbeitenden, Lieferanten, Kunden, der Gesellschaft und der Natur? Das  Herzstück ist die Gemeinwohl-Matrix – ein Raster aus fünf Berührungsgruppen und vier  Grundwerten: 

Die fünf Berührungsgruppen: 

• A – Lieferant*innen 

• B – Eigentümer*innen und Finanzpartner*innen 

• C – Belegschaft 

• D – Kund*innen und andere Organisationen 

• E – Lokale und globale Gemeinschaft sowie Ökosysteme 

Die vier Grundwerte: 

• Menschenwürde 

• Solidarität und soziale Gerechtigkeit 

• Ökologische Verantwortung 

• Transparenz und Mitentscheidung 

Aus der Kombination ergeben sich 20 Gemeinwohl-Themen, zu denen Unternehmen ihren  Beitrag beschreiben und bewerten. Die Punkteskala reicht von maximal 1.000 Punkten bis zu  minus 3.600 Punkten für schwerwiegende Negativaspekte.

Von 5.0 über 5.1 zu 5.2: Eine kurze Versionsgeschichte 

Um zu verstehen, was die Matrix 5.2 bedeutet, lohnt ein kurzer Blick zurück. Die Matrix 5.0  kannte zwei Varianten: die Vollbilanz mit 60 Aspekten für größere Unternehmen und die  Kompaktbilanz mit 39 Aspekten für kleinere Organisationen. Die Matrix 5.1, im Februar 2025  veröffentlicht, brachte ein einheitlicheres Arbeitsbuch, fasst das bisher zwei-geteilte  Berichtswerk zusammen und führte einen neuen Blick auf den gesellschaftlichen Sinn des  Unternehmens sowie eine stärkere ökologische Lebenszyklusperspektive ein. 

Mit der Matrix 5.2 geht ECOnGOOD nun einen Schritt weiter – strukturell, inhaltlich und  technologisch. 

Die drei großen Neuerungen der Matrix 5.2 

1. Ein Rahmen statt zwei Bilanzen: modular und maßgeschneidert 

Die bisher starre Unterscheidung zwischen Voll- und Kompaktbilanz entfällt vollständig. Die  Matrix 5.2 kennt stattdessen einen einzigen Rahmen mit 76 Aspekten – und ein intelligentes  Berichtssystem: Nicht alle Aspekte müssen von allen Unternehmen berichtet werden.  Welche Aspekte relevant sind, hängt vor allem von der Rechtsform und Größe der  Organisation ab. Außerdem wurde die Einteilung der Datenpunkte in die verbreitete Struktur  von „Soll“, „Kann“ und „Wenn zutreffend“ vorgenommen, was für viele Unternehmen den  Aufwand deutlich reduziert. 

Das bedeutet in der Praxis: Ein kleines Familienunternehmen berichtet über einen anderen,  passgenau zugeschnittenen Aspekte-Satz als ein mittelständischer Produktionsbetrieb oder  eine Genossenschaft. Gleichzeitig sind alle Berichte nach dem gleichen Grundprinzip  aufgebaut – vergleichbar, transparent, glaubwürdig. 

2. Volle Anschlussfähigkeit an den VSME-Standard 

Das ist die vielleicht strategisch wichtigste Neuerung: Die Matrix 5.2 ist weitestgehend kompatibel mit dem VSME – dem Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs, dem  europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen. 

Was das konkret bedeutet: Wer eine Gemeinwohl-Bilanz nach Matrix 5.2 erstellt, hat die  Vorarbeiten für einen vollständigen VSME-Bericht zu rund 85 Prozent bereits abgeschlossen.  Zwei Berichtspflichten werden also nicht mehr getrennt erfüllt, sondern systematisch  miteinander verbunden. Das spart erheblichen Aufwand – gerade für KMU, die durch die  wachsenden Berichtspflichten in der Lieferkette zunehmend unter Druck geraten. 

Wichtig: Der VSME ist kein gesetzlich verpflichtender Standard, wird aber zunehmend von  Großunternehmen und Banken von ihren Lieferanten und Kreditnehmern eingefordert. Die  Anschlussfähigkeit der Matrix 5.2 ist damit kein Nice-to-have, sondern ein echter  Wettbewerbsvorteil. 

3. Digitale Unterstützung durch angepasste Softwarelösungen 

Die Matrix 5.2 wurde von Beginn an mit Blick auf digitale Bearbeitungswerkzeuge entwickelt.  Angepasste Softwarelösungen werden es Unternehmen ermöglichen, Gemeinwohl-Bilanz 

und VSME-Bericht in einem integrierten Prozess zu erstellen – weitestgehend ohne  Doppeleingaben und ohne Brüche. 

Dieser Schritt macht die Gemeinwohl-Bilanz nicht nur einfacher handhabbar, sondern  schließt auch die Lücke zu professionellen Nachhaltigkeitsmanagementsystemen. Der  Aufwand sinkt, die Qualität und Vergleichbarkeit der Berichte steigen. 

Derzeit ist ein Software-Tool (goodbalancer) am Markt, dass bereits VSME-anschlussfähig ist. Nach meinen Informationen sind weitere in der Entwicklung. 

Fazit: Modularer, vernetzter, digitaler – und damit  zukunftsfest 

Die Matrix 5.2 ist mehr als ein Update. Sie ist eine strategische Neuausrichtung der  Gemeinwohl-Bilanz für ein Umfeld, in dem Nachhaltigkeitsberichterstattung zunehmend zur  Pflicht wird – für Große wie für Kleine. 

Drei Kernbotschaften bleiben: 

• Modular: Ein Rahmen, maßgeschneidert nach Größe und Rechtsform – kein  Entweder-oder mehr zwischen Voll- und Kompaktbilanz. 

• Vernetzt: Circa 85 Prozent Vorarbeit für den VSME-Bericht inklusive – die  Gemeinwohl-Bilanz wird zum Einstieg in die europäische  

Nachhaltigkeitsberichterstattung. 

• Digital: Softwareintegration macht den Prozess effizienter und professioneller. 

Für Unternehmen, die sich auf die wachsenden Anforderungen der EU Nachhaltigkeitsregulierung vorbereiten wollen, ist die Matrix 5.2 ein idealer Startpunkt – und  für jene, die bereits bilanzieren, ein überzeugender Grund zum Upgrade. 

Hinweis: Die Matrix 5.2 befindet sich derzeit in der Beta-Phase und ist intern verfügbar. Die  offizielle Version wird voraussichtlich im September 2025 veröffentlicht. Dieser Artikel basiert  auf den bisher bekannten Eckpunkten. 

Prem, 22.02.2026 Jörn Wiedemann





 
 
 

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